Juteteppiche, Stickerei.
installiert 520 × 420 cm (je 260 × 420 cm)
In ihrer Einzelausstellung Divine Beast bricht die Bildhauerin Yvonne Roeb die Grenzen der klassischen Bildhauerei auf und erweitert den skulpturalen Raum um ein textiles Monument von überwältigender Präsenz: AEON. Die zwei monumentalen, jeweils 4,60 × 2,60 Meter großen Teppiche dominieren die tageslichtdurchflutete Glashalle des Lehmbruck Museums nicht nur durch ihre schiere physische Dimension, sondern vor allem durch ihre sakral anmutende Aura.

Aeon – ein Begriff, der in der antiken Philosophie für die Ewigkeit, das Zeitalter oder die unvergängliche Weltzeit steht – findet in Roebs textiler Rauminstallation eine kongeniale Übersetzung. Die Teppiche wurden in extrem aufwendiger Handarbeit über Wochen hinweg von mehreren Personen simultan bestickt. Dieser hochgradig dichte, fast meditative Entstehungsprozess schreibt sich spürbar in die Struktur des Werkes ein.
Das zentrale visuelle Motiv bilden kunstvoll applizierte Schlangenstrukturen, die sich über den textilen Grundkörper winden. In Roebs unverkennbarem bildnerischen Kosmos, der stark von den Diskursen der Human-Animal Studies und surrealen Metamorphosen geprägt ist, agiert die Schlange als zeitloses Ur-Symbol. Sie verkörpert Häutung, Erneuerung, das Grenzgängertum zwischen Leben und Tod – und somit die Ewigkeit selbst.
Indem die Künstlerin diese hybriden Tierwesen auf monumentalen Teppichen inszeniert, bricht sie mit der klassischen Betrachtung von Skulpturen: Der Teppich wird zum plastischen Fundament, das den Raum erdet, während die reliefartigen Applikationen den flächigen Charakter durchbrechen. AEON ist kein bloßes Dekor, sondern ein begehbares dritter Dimension, ein ins Textilleben übertragener Mythos, der die Vergänglichkeit des Augenblicks radikal infrage stellt
